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Was spricht gegen lnterdisziplinarität im Fachstudium?

Moderation und Zusammenfassung der Ergebnisse:
Kathrin Holten und Prof. Dr. Franz-Josef Klein

 
Ausgangspunkt der Diskussion war die Frage der Moderatoren nach den Erfahrungen der Teilnehmenden in interdisziplinärer Lehre. Eine Teilnehmerin, die seit mehreren Semestern interdisziplinäre Seminare betreut, schilderte ihre Beobachtung, dass die Studierenden zunächst Vorbehalte hätten und das Seminar ablehnten, im Laufe des Semesters aber die Inhalte und Methoden der jeweils fremden Disziplin als Bereicherung ihrer fachspezifischen Sichtweise wahrnähmen. Diese Tendenz konnte von einer anderen Teilnehmerin bestätigt werden, die allerdings keine Studierenden betreut, sondern im Bereich Hochschuldidaktik Dozierende interdisziplinär schult. Als vermutliche Ursachen für diese anfängliche Ablehnung wurden über die gesamte Gesprächsdauer in allen vier Diskussionsrunden an Tisch 3 „Mauern von Fachkulturen“, „fehlende Identifikation“, „unterschiedliches Bildungsverständnis/Wissenschaftsverständnis“ sowie „fremde Fachkultur“ identifiziert und als Diskussionspunkte schriftlich auf einer Ergebnistischdecke festgehalten. Ein Foto der Ergebnistischdecke liegt dieser Zusammenfassung bei. Die verschiedenen Farben haben keine Bedeutung.

Ein Teilnehmer folgte zu Beginn der ersten Diskussionsrunde an Tisch 3 einem spontanen Impuls als Antwort auf die Leitfrage „Nix, aber…“ auf der zu diesem Zeitpunkt noch weißen Tischdecke zu notieren. Nach der später folgenden Erläuterung seines Punktes ergänzte er das Stichwort „Zeit?“.

Im Laufe der weiteren Diskussionsrunden stellten die Teilnehmer in diesem Zusammenhang noch die beiden Punkte „Höherer Betreuungsaufwand“ seitens der Dozierenden und „höherer Aufwand für die Studierenden“ als Argumente gegen Interdisziplinarität im Fachstudium heraus. Von der Studierendenseite wurde angeführt, dass Interdisziplinarität im Studium „irrelevant für Beruf und Karriere“ sei und letztlich zu einer „Oberflächlichkeit“ bezüglich der Ausbildung führen könne. Auch auf der Ebene der akademischen Laufbahn wurde Interdisziplinarität eher als Hürde wahrgenommen, was laut einiger Teilnehmender wiederum in einer Abgrenzung der eigenen Disziplin münden könne.

Diese Problematik wurde in der vierten Diskussionsrunde veranschaulicht durch die Zeichnung einer Waage, deren eine Schale mit „detailliertem Wissen/Spezialistentum“ gefüllt ist, die andere mit „Allgemeinwissen/Oberflächlichkeit“.

Die vorgetragenen Argumente und die auf der Ergebnistischdecke notierten Diskussionspunkte wiederholten sich nach einiger Zeit in den vier unterschiedlichen Teilnehmergruppen an Tisch 3. Sie sind folglich inhaltlich z.T. deckungsgleich, jedoch unterschiedlich formuliert. Sie lassen sich aber in den folgenden drei Gruppen zusammenfassen: 

Gruppe 1: Grundsätzliches 
• Unterschiedliche Fachkulturen
• Unterschiedliche Fachlogiken
• Unterschiedliches Bildungsverständnis
• Unterschielches Wissenschaftsverständnis
• Unklarheit in der Grenzziehung
• Mauern von Fachkulturen (Selfishness)
• Fehlende Identifikation mit den nicht fachspezifischen Inhalten
• Oberflächlichkeit/Beliebigkeit der interdisziplinären Inhalte

Gruppe 2: Umsetzbarkeit im Studium
• Höherer Lernaufwand bei den Studierenden
• Führt zur Verwirrung der Studierenden
• Höherer Betreuungsaufwand bei den Lehrenden
• Sprachprobleme (in den fremdsprachigen Philologien)
• Mangelnde Methodenkenntnis

Gruppe 3: Bedarf im Berufsleben
• Interdisziplinarität ist im Beruf irrelevant (hier gab es auch Widerspruch)
• Die Arbeitswelt braucht Spezialisten, nicht Generalisten
• Im akademischen Bereich ist interdisziplinäre Ausbildung eher ein Karrierehemmnis 
 
Eine Definition des Begriffs Interdisziplinarität oder eine deutliche Abgrenzung zu den Begriffen Transdisziplinarität und Multidisziplinarität wurden an Tisch 3 nicht vorgenommen.

Das Fazit der vierten Diskussionsrunde an Tisch 3 lautete:
Interdisziplinarität sei nur sinnvoll, wenn sie auf solidem Fachwissen aufbaue. Folglich solle sie erst im Master-Studium zur Geltung kommen; das Bachelor-Studium solle dem Erwerb von Basiskenntnissen im Fach dienen.